Qualitätsmerkmal Blower-Door-Test
Kennen Sie das Märchen von den atmenden Wänden? Beitrag von Martin Jauch

„Heutzutage wird alles hermetisch abgedichtet. Das ist schlecht, Wände müssen schließlich atmen.“

So oder so ähnlich wird man auf Baustellen oft begrüßt. Egal ob von verunsicherten Bauherren, von Planern oder von Handwerkern, diese Aussagen sind im Zusammenhang mit der heutigen luftdichten Bauweise noch immer allgegenwärtig. Doch was hat es damit auf sich? Was ist damit überhaupt gemeint?

Gemeint ist in erster Linie der Austausch der Raumluft oder die Feuchtigkeitsabfuhr durch die Gebäudehülle, welche laut Kritikern über Fugen und Leckagen in der Hülle und auch über die Baustoffe selbst erfolgen soll. 

Dies ist bei heutiger energiesparender Bauweise bauphysikalisch gesehen nicht vertretbar und auch nicht sinnvoll. Der Luftaustausch bzw. der konvektive Massenstrom (unkontrollierter Transport von Luftfeuchtigkeit) über die Gebäudehülle ist bei üblichen Voraussetzungen ca. 100 - bis 1000 - mal geringer als gezieltes Lüften über Fenster oder die mechanische Lüftung.

Das schädigende Risiko einströmender feucht-warmer Raumluft in den Bauteilquerschnitt kann zum Bauschaden führen.

Mit Hilfe von Messtechnik können Fehlstellen an der luftdichten Ebene lokalisiert werden.

Hier bietet sich der sogenannte Blower-Door-Test an. Dieser kann vorab als baubegleitender Qualitätsnachweis für Auftragnehmer und Auftraggeber oder im fertiggestellten Gebäude stattfinden. Außerdem ist der Nachweis der Messung seit längerem Bestandteil der KFW Programmbedingungen.

Für die Messung wird ein Nylontuch, welches mit einer Öffnung für einen Ventilator versehen ist, luftdicht in den Rahmen der Hauseingangstüre oder eines Fensters gebaut. Es wird Unterdruck oder Überdruck erzeugt wodurch eine Druckdifferenz zwischen Innenraum und Umgebung entsteht. Dieser beträgt in aller Regel 50 Pascal. 

Bei konstanter Druckdifferenz wird nun die Gebäudehülle nach Undichtigkeiten, auch Leckagen genannt, mittels Wärmebildkamera oder Strömungsmessgerät abgesucht. Teilweise kommt auch künstlich erzeugter Nebel zum Einsatz.

Abbildung 2 zeigt beispielhaft eine Spitzbodenluke, welche nicht an die Dampfbremse angeschlossen ist. Die Aufnahme ist während eines Blower-Door-Tests entstanden. In diese Fuge strömt die feucht-warme Raumluft in den kühleren Spitzboden. Es bildet sich unter Umständen Kondenswasser, das zu Schimmelpilz-wachstum führen kann.

Im Zuge der Messung können je nach Baufortschritt anwesende Handwerker die aufgezeigten Mängel gleich beheben.

Gerade bei den heutigen Anforderungen an hoch wärmegedämmte und effiziente Gebäude ist die sorgfältige Planung und Ausführung der luftdichten Ebene unerlässlich.

Das Bauschadenspotential einer nicht korrekt ausgeführten luftdichten Ebene ist enorm.

Die meisten Undichtheiten sind in der Regel folgende: 

• mangelhaft ausgeführte Bauteilanschlüsse / Verarbeitung von Dampfbremsen
• Durchdringungen durch die Gebäudehülle wie Strangentlüftung, Kamin usw.

• nicht korrekt angeschlossene Fenster und Türen

• unverputztes Mauerwerk hinter Vorsatzschalen, in Drempeln oder Installationsschächten

• falsche Führung der luftdichten Ebene

Die Messung dient primär der Abstellung möglicher Mängel an der luftdichten Ebene sowie die Ermittlung der Luftwechselrate n50 (n50 = Bezeichnung für die Luftwechselrate bei 50 Pascal Druckdifferenz).

Grenzwerte sind in der Energieeinsparverordnung (EnEV) für die Messung wie folgt festgelegt:

• bei Gebäuden ohne raumlufttechnische Anlage ist ein Luftwechsel von 3,0 h−1,

• bei Gebäuden mit raumlufttechnischer Anlage ist ein Luftwechsel von 1,5 h-1 und 

• bei Passivhäusern ist ein Luftwechsel von 0,6 h-1 zulässig.


Die genannten Werte bedeuten den max. zulässigen Luftaustausch des Gebäudevolumens pro Stunde und unter Prüfdruck. Eine Unterschreitung der Grenzwerte wird empfohlen.

Weitere Vorteile der Messung neben der Bauschadensminimierung sind u.a.:

• Verminderung von Zuglufterscheinung sowie Kaltluftseen

• Verminderung von Lüftungswärmeverlusten, welche immerhin ca. 40 % der Energiekosten ausmachen können

• Verbesserung des Schallschutzes

• Verbesserung der Geruchsbelästigung (vor allem im Wohnungsbau) 

• funktionierende Lüftungsanlagen

• Senkung der Heizkosten

Die Messung wird überwiegend im Neubausektor durchgeführt. Dabei spielt es keine Rolle ob es sich z. B. um ein Einfamilienhaus, eine Wohneinheit in einem Mehrfamilienhaus handelt oder ob ein komplettes Hotel auf einmal gemessen wird. 

Natürlich kann die Messung auch im Rahmen von Gebäudesanierungen durchgeführt werden.

Der Blower-Door-Test stellt somit einen Qualitätsnachweis sowohl für die Bauherren als auch für den Planer sowie für die ausführenden Gewerke dar und sollte heutzutage standardmäßig ausgeführt werden.

Autor: Martin Jauch, zertifizierter Prüfer der Gebäude-Luftdichtheit

Aufnahme mit Wärmebildkamera
zugehöriges Digitalbild

Abbildung 2: Beispiel einer nicht angeschlossenen Spitzbodenluke. Die Luft strömt seitlich zwischen dem Rahmen der Luke und der Spitzbodendecke. Dies kann zu einer Feuchteanreicherung an dieser Stelle führen. Visualisiert mit einer Wärmebildkamera bei 50 Pascal Unterdruck im Gebäude.

Abbildung 1 (zur Verfügung gestellt von der BlowerDoor GmbH): Messprinzip Blower-Door-Test bei Unterdruck