Schimmelpilzschäden!

Von den rund 19 Mio. bestehenden Wohngebäuden mit rund 40 Mio. Wohnungen stehen in den kommenden 20 Jahren etwa die Hälfte zur Sanierung an. (*1)

Dies entspricht jährlich etwa einer Million zu sanierender Wohnungen.

Bei Sanierungen von Bestandsgebäuden sind jedoch nicht nur die Bestimmungen verschiedener Gesetzestexte wie der Energieeinsparverordnung (EnEV) und dem Erneuerbaren-Wärme-Gesetz (EWärmeG) einzuhalten sondern auch die bauphysikalischen Gegebenheiten der zu sanierenden Immobilie.

Im Volksmund wird oft das Anbringen eines Wärmedämmverbundsystemes (WDVS), für die erhöhte Dichtigkeit von Gebäuden verantwortlich gemacht („das Haus könne nicht mehr atmen“). Allerdings zeigen Messstudien, dass nicht der Einbau des WDVS sondern die Fenstererneuerung eine um ca. 40 % höhere Dichtigkeit der Gebäudehülle mit sich bringt.

Dies ist dem verbesserten Bauteilanschluss von Fenster gegen Wand sowie der besseren Verarbeitung der Fenster und der Fensterdichtungen in zwei Ebenen geschuldet. Allerdings ist die heutige dichtere Bauweise nicht nur durch Gesetzestexte und DIN-Normen vorgeschrieben sondern hilft auch dabei, die hohen und unkontrollierten Lüftungswärmeverluste durch Risse, Fugen und Spalten erheblich zu reduzieren.

Leider finden die bauphysikalischen Gegebenheiten vor Ort sowie die erhöhte Luftdichtigkeit nach erfolgtem Fensteraustausch in der Sanierungspraxis keine Beachtung. Obwohl die Berechnung eines Lüftungskonzeptes nach DIN 1946-6 bei der Sanierung von mehr als 1/3 der Dach- oder Fensterfläche bereits seit 2010 vorgeschrieben ist!

Das Lüftungskonzept umfasst die Feststellung der Notwendigkeit von lüftungstechnischen Maßnahmen und die Auswahl des Lüftungssystems. Dabei muss die Lüftung zum Feuchteschutz auch ohne das Öffnen eines Fensters (nutzerunabhängig) gewährleistet werden. (*2) 

In Folge der höheren Dichtigkeit der Gebäudehülle ergibt sich automatisch ein geringerer natürlicher Luftaustausch, der eine erhöhte Luftfeuchtigkeit des Raumes nach sich zieht. Durch die erhöhte Luftfeuchtigkeit kann es an Bauteilen mit geringer Oberflächentemperaturen, meistens sind es Fensterleibungen, nun zur Kondensatbildung kommen und in deren Folge zu Durchfeuchtung und Schimmelbildung. (Bild 1)

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Überprüfung der Wärmedämmeigenschaft der Bestandswände. Neue dreifachverglaste Fenster besitzen einen besseren Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) als Außenwände vor 1980. Dieser Umstand verstärkt zusätzlich die Gefahr von Kondensatbildung an Außenbauteilen.

Bild 1

Bereits 1995 kommt der Bauschadensbericht des Bundes zu dem Ergebnis, dass nach dem Fensteraustausch im Bestand bei 12,7 % der Objekte Schimmel im Innenbereich die Folge war.(*3) Das Thema ist also nicht neu. 

Schimmel allgemein

„Schimmelpilze“ ist ein Sammelbegriff für Pilze, die Pilzfäden und Sporen ausbilden können. Schimmelsporen sind praktisch immer und überall (ubiquitär) in unserer Biosphäre zu finden. Es gibt davon schätzungsweise ca. 1.000.000 Arten.

In Wohnräumen ist das Wachstum und die Verbreitung von Schimmelpilzen über ein natürliches Maß hinaus, sowohl aus bautechnischen und gesundheitlichen aber auch aus ästhetischen Gründen unerwünscht. Die Mehrzahl der Schimmelpilzarten gelten als potentiell gesundheitsgefährdend, die Sporen können über eingeatmete Luft allergische und reizende Reaktionen beim Menschen auslösen. In Folge dessen können gesundheitliche Schäden wie Kopfschmerzen, Allergien, Atembeschwerden bis hin zu Infektionen und Vergiftungen auftreten. Das Gefährdungspotential für Allergiker, immunschwache Menschen, Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen ist ungleich höher.

Nach gegenwärtigem Stand der Wissenschaft kann nicht bestimmt werden, ab welcher Schimmelsporen-Konzentration mit gesundheitlichen Schäden zu rechnen ist.

Der mikrobielle Befall von Innenbauteilen ist zur hygienischen und gesundheitlichen Vorsorge immer zu entfernen.

Fazit

Luftdichte Gebäude nach DIN 4108 lassen sich durch ausschließliches manuelles Lüften zumeist nicht mehr entfeuchten und benötigen daher einen bewohnerunabhängigen Mindestluftwechsel von ca. 0,5 (vollständiger Luftaustausch in 2 Stunden). Bei neuen, dichtschließenden Fenstern ist diese Anforderung ohne lüftungstechnische Maßnahme zumeist nicht zu erfüllen bzw. sicherzustellen.

Wenn bei einer Sanierungsmaßnahme alle zuvor beschriebenen Parameter, Gesetze und Normen eingehalten bzw. beachtet werden, kann ein späterer Schimmelpilzbefall in der Regel ausgeschlossen werden. Daher empfiehlt es sich bereits in der Planungsphase einen für die Thematik ausgebildeten Sachverständigen oder Energieberater mit einzubinden.

Autor
Clemens Fröhlich
Staatl. gepr. Bautechniker im Hochbau Gebäudeenergieberater (HwK)
Sachverständiger für die Erkennung und Bewertung von Schimmelpilzschäden (TÜV)

*1 Dena, Sanierungsstudie Teil 2, S. 7
*2 DIN 1946-6 Lüftung von Wohnungen
*3 Bauschadensbericht des Bundes, 1995