Edelkratzputz: edles Original

Der Edelkratzputz ist der König unter den Fassadenputzen. Die Bezeichnung „Kratzputz“ wird teilweise irreführend auch für dünnschichtige Scheibenputze verwendet, diese sind jedoch nicht mit einem echten Edelkratzputz wie beispielsweise weber.top 204 zu vergleichen. Was macht diesen so einzigartig?

Wie keine zweite Putzart weist der Edelkratzputz eine offene natürliche Struktur auf. Diese wird erzielt, indem die Oberfläche des Putzes in angezogenem Zustand mit einem Kratzigel oder ähnlichen Werkzeug in kreisenden Bewegungen bearbeitet wird.  Durch dieses Kratzen wird eine einzigartige Struktur erreicht, bei der die Körnung des Putzes offen an der Oberfläche liegt. Während bei anderen Putzen die Körnung von einem Bindemittelfilm umgeben ist und so ein quasi gestrichener Eindruck entsteht, bietet der Kratzputz die Möglichkeit, unterschiedlichste Korngrößen, -arten und -farben frei an der Oberfläche zu präsentieren. Durch unterschiedliche Strukturen von rustikal bis fein, farbigen Körnungen oder durch den Einsatz des im Sonnenlicht glitzernden Minerals Glimmer lassen sich so faszinierende Oberflächen gestalten.

Mit feinen Körnungen lässt sich mühelos die von vielen Architekten heute geforderte feine, gleichmäßige Oberfläche darstellen. Bei gleicher Korngröße wirkt ein Kratzputz gleichmäßiger und ruhiger als ein Scheibenputz. Dies kommt daher, dass beim Kratzputz die Oberfläche grundsätzlich sehr eben ist und die Struktur dadurch erzeugt wird, dass beim Kratzvorgang Körner herausgelöst werden.

Als Faustregel für die Dicke eines Kratzputzes gilt 10 mm zuzüglich der Kornstärke. Sie kann daher bei sehr großer Körnung (über 10 mm Korndurchmesser ist möglich) auch über 20 mm betragen. Bedingt durch diese große Auftragsdicke sind außergewöhnliche Fassadengestaltungen möglich, wie z. B. das Herstellen von Bossierungen oder die exquisite Farbgestaltung von Fassaden mit der Listel-Putztechnik.

Der kalk-zementgebundene Edelkratzputz ist der mineralischste aller Putze im Markt. Der Begriff „mineralisch“ wird teilweise sehr strapaziert. Mitunter wird auch ein Kunstharzputz als mineralischer Putz bezeichnet, da die Körnung mineralisch ist und das Kunstharz aus Mineralöl gewonnen wird. Solch schwammige Auslegungen hat der Edelkratzputz nicht nötig. Er besteht aufs Weißkalkhydrat als Hauptbindemittel, sowie aus einer geringen Menge Weißzement zur Erzielung einer frühen Festigkeit. Er enthält keine organischen Hilfsmittel wie Dispersion, Fasern oder Ähnliches. Bei Brandprüfungen erhält er stets die Bestnote A1, denn er ist so wenig brennbar wie das Gestein, aus dem er besteht.  Echte Edelkratzputze, wie sie beispielsweise  vom Baustoffhersteller Saint-Gobain Weber hergestellt und geschult werden, sind somit „authentisch“ mineralische Putze mit nachprüfbaren bauphysikalischen Eigenschaften. 

Nachhaltig durch Dauerhaftigkeit

Edelkratzputz-Fassaden sind ausgesprochen langlebig, ein Alter von 40 bis 50 Jahre erreicht  dieses Oberflächenfinish problemlos.  Kein anderer Putz hat einen ähnlich geringen Wartungsaufwand. Der Grund hierfür ist ein natürlicher Effekt, das Absanden der Oberfläche. Durch die offene Struktur des Putzes wird kontinuierlich und in geringer Menge Körnung von der Oberfläche abgewittert. Durch dieses feine Abrieseln des Sandes werden stets auch anhaftender Schmutz sowie Sporen von Algen und Pilzen von der Fassade entfernt. Dadurch verfügt der Edelkratzputz sozusagen über einen eingebauten Selbstreinigungseffekt.

Ein Edelkratzputz widerspricht mit seiner hohen Resistenz vor Algen- und Pilzbefall auch den Theorien, die eine möglichst glatte und wasserdichte Oberfläche als Schutz vor Mikroorganismen fordern. Mit seiner porösen und teilweise wasseraufnahmefähigen Oberfläche müsste eine Edelkratzputzfassade eigentlich immer algengrün sein. Dass sie es nicht ist, liegt daran, dass das Wasser durch die Kapillaraktivität des mineralischen Putzes von der Oberfläche abtransportiert wird und sich nicht an der Oberfläche konzentriert. Bei geeigneter Witterung erfolgt dann die Austrocknung, die um ein Vielfaches schneller ist als bei organischen Putzen. 

Ein weiterer Punkt, der hochgedämmte Kratzputzfassaden unanfälliger für Bewuchs macht, liegt in der drei- bis vierfach größeren Masse der Putzschicht gegenüber herkömmlichen Dünnschichtsystemen. Dadurch kann der Edelkratzputz die Wärme länger speichern und kühlt dadurch in der Nacht nicht so schnell aus. Der Feuchteanfall auf der Putzoberfläche wird somit vermindert, Algen- und Pilzsporen wird die Feuchtigkeit als Wachstumsgrundlage entzogen.